2012/05/17
Hast du gewusst, dass Fahrrad fahren richtig schwierig ist? Ich meine nicht das ewige Treten in die Pedale oder aber die Gangschaltung. Ich meine zum Beispiel das Lenken. Wenn du mehr als drei Jahre lang nicht mehr Fahrrad gefahren bist, fällt es dir unheimlich schwer. Oft genug musst du dann mit deinem Fuß stoppen, weil du es nicht schaffst zu bremsen. Oder aber du kommst vom Weg ab und fährst irgendwo rein, tust dir weh. Vielleicht ist die Vorstellung ein wenig abgehoben, aber ist das Leben nicht wie Fahrrad fahren? Ich meine, wenn man das Fahren verlernen kann, warum dann nicht auch das Leben? Man braucht eine Weile, bis es wieder mit dem Lenken klappt. Und auch, bis man sich wieder sicherer fühlt um schneller zu fahren oder einen Gang zuzulegen. Man traut sich ja kaum, die Fahrradklingel zu betätigen um andere auf sich aufmerksam zu machen. Und wie stehts mit dem Leben? Sind wir da nicht auch unentwegt am lenken? Wir versuchen die richtigen Wege zu nehmen, wollen nicht zurück, sondern vorran, landen dabei in ziemlich vielen Sackgassen. Oder aber wir kommen vom Weg ab. Wir brauchen dann länger, um uns wieder etwas zuzutrauen. Und wenn wir es dann geschafft haben, fließt das Leben wieder schneller an uns vorbei. Dann ist es wie beim Fahrrad fahren auf einer geraden Straße. Uns kann nichts passieren. Wir müssen doch nur fahren lernen. Wir müssen doch nur wieder leben lernen. Und, was sagst du? Willst du mit mir Fahrrad fahren?
2012/05/16
to be insignificant - unbedeutend sein
Cewil reicht mir ein Taschentuch. Pia redet auf mich ein. Kübra nimmt mich in den Arm.
Begreifen die drei denn nicht dass ich mich nicht beruhigen kann, ehe man mich in Ruhe lässt?
Meine Erdkundelehrerin betritt den Klassenraum, weil sie irgendwas vergessen hat. Ich mag sie. Sie ist ziemlich nett und irgendwie auch lustig. Sie kommt erschrocken auf mich zu. "Was ist los?". Ich senke den Blick. "Hat dich irgendwer geärgert?", sie lässt ihren Blick streng durch ihre berüchtigte Klasse schweifen. "Nein", antworte ich. "Aber was ist denn dann? Vorhin war doch noch alles super". Vorhin als wir Erdkunde hatten und wir uns über die Lebensmittelvergiftung ihres Sohnes unterhalten haben. "Nein war es nicht. Es ist nichts in Ordnung, rein gar Nichts, ich tu' nur immer so".
Und jetzt lasst mich doch bitte einfach in Ruhe ganz jämmerlich an meinem Selbstmitleid krepieren.
Begreifen die drei denn nicht dass ich mich nicht beruhigen kann, ehe man mich in Ruhe lässt?
Meine Erdkundelehrerin betritt den Klassenraum, weil sie irgendwas vergessen hat. Ich mag sie. Sie ist ziemlich nett und irgendwie auch lustig. Sie kommt erschrocken auf mich zu. "Was ist los?". Ich senke den Blick. "Hat dich irgendwer geärgert?", sie lässt ihren Blick streng durch ihre berüchtigte Klasse schweifen. "Nein", antworte ich. "Aber was ist denn dann? Vorhin war doch noch alles super". Vorhin als wir Erdkunde hatten und wir uns über die Lebensmittelvergiftung ihres Sohnes unterhalten haben. "Nein war es nicht. Es ist nichts in Ordnung, rein gar Nichts, ich tu' nur immer so".
Und jetzt lasst mich doch bitte einfach in Ruhe ganz jämmerlich an meinem Selbstmitleid krepieren.
2012/05/09
"I tried to drown my Sorrows, but these Bastards learned how to swim."
"Hey", hauche ich ins Telefon, ziehe meine Beine an und lehne erschöpft meinen Kopf an die Wand. Ich sitze auf meinem Bett und bin bereit für den Weltuntergang. "Hi?", kommt es zögerlich aus dem Lautsprecher. "Wie gehts?". Stille. "Ganz gut soweit. Was willst du?". Am anderen Ende der Leitung sitzt ein verunsicherter Typ in seinem Zimmer herum, mit dem ich nie irgendwas zu tun habe. Er war damals in meiner Grundschulklasse und als wir uns vor einem Jahr zufällig über den Weg gelaufen waren, hatten wir unsere Nummern ausgetauscht. Einfach so. Für Notfälle, oder aber auch ganz ohne Grund. Vielleicht, weil man das einfach so von uns erwartete? "Also, was ist?", wiederholt er sich und ich höre wie er auf seine Tastatur einhämmert. "Nichts besonderes", antworte ich und zucke unnötiger Weise mit den Schultern, obwohl es niemanden gibt, der diese Geste sehen könnte. "Warum rufst du dann an?". Ich lasse mich seitlich auf mein Bett fallen, drücke mein Gesicht in eines der vielen Kissen und murmle' überraschend verständlich: "Ich wollte nur mal das Gefühl haben, dass die Einsamkeit mich nicht ganz zerfressen hat. Und vorallem wollte ich klarstellen, dass ich nicht alleine bin. Auch, wenn wir uns gegenseitig relativ egal sind, tut es gut zu wissen, dass du überhaupt ans Telefon gegangen bist. Ich hab vielleicht niemanden mehr, aber ich existiere noch. Fühlt sich normal an, und normal ist gut". Ich erwarte, dass er augenblicklich auflegt, jedoch hört er mir stumm zu und antwortet dann: "Du tust mir leid".
"Hey", hauche ich ins Telefon, ziehe meine Beine an und lehne erschöpft meinen Kopf an die Wand. Ich sitze auf meinem Bett und bin bereit für den Weltuntergang. "Hi?", kommt es zögerlich aus dem Lautsprecher. "Wie gehts?". Stille. "Ganz gut soweit. Was willst du?". Am anderen Ende der Leitung sitzt ein verunsicherter Typ in seinem Zimmer herum, mit dem ich nie irgendwas zu tun habe. Er war damals in meiner Grundschulklasse und als wir uns vor einem Jahr zufällig über den Weg gelaufen waren, hatten wir unsere Nummern ausgetauscht. Einfach so. Für Notfälle, oder aber auch ganz ohne Grund. Vielleicht, weil man das einfach so von uns erwartete? "Also, was ist?", wiederholt er sich und ich höre wie er auf seine Tastatur einhämmert. "Nichts besonderes", antworte ich und zucke unnötiger Weise mit den Schultern, obwohl es niemanden gibt, der diese Geste sehen könnte. "Warum rufst du dann an?". Ich lasse mich seitlich auf mein Bett fallen, drücke mein Gesicht in eines der vielen Kissen und murmle' überraschend verständlich: "Ich wollte nur mal das Gefühl haben, dass die Einsamkeit mich nicht ganz zerfressen hat. Und vorallem wollte ich klarstellen, dass ich nicht alleine bin. Auch, wenn wir uns gegenseitig relativ egal sind, tut es gut zu wissen, dass du überhaupt ans Telefon gegangen bist. Ich hab vielleicht niemanden mehr, aber ich existiere noch. Fühlt sich normal an, und normal ist gut". Ich erwarte, dass er augenblicklich auflegt, jedoch hört er mir stumm zu und antwortet dann: "Du tust mir leid".
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