2012/08/19

Die schwüle Hitze bereitet mir Kopfschmerzen. Ich suche nach meiner Wasserflasche, kann sie in dem ganzen Müll auf der Wiese allerdings nirgendwo entdecken. Es ist ohnehin schon viel zu dunkel. Und das Wasser ist wahrscheinlich schon lange nicht mehr kalt. Alle warten gespannt auf das versprochene Feuerwerk. Die Musik ist zu laut und gefällt mir nicht. Hier sind zu viele Leute. Ich hasse Menschenmassen. Ich hasse sie so sehr. Und doch bin ich hier. Ich seufze laut hörbar auf und der Typ neben mir grinst mich an. Ich bemühe mich um ein lockeres Lächeln. Es scheitert kläglich. "Dein Bruder meinte ja schon, dass du ein bisschen anders bist, aber so...", fängt er an und nippt genüsslich an seinem Bier. "Du bist total seltsam", lacht er und küsst mich schon zum zweiten Mal an diesem Abend. Vom Biergeschmack wird mir fast übel. Noch etwas, was ich nicht leiden kann. Dennoch, er sieht gut aus. Ja, eigentlich ist er schön. Und wenn man von der Tatsache absieht, dass er höchstwahrscheinlich gar nicht weiß wie ich heiße und sich nie an mich erinnern wird, ist das doch eigentlich ein ganz gelungener Abend. "Ich habe nie bestritten, dass ich seltsam bin. Ich bin seltsam. Im wahrsten Sinne des Wortes", antworte ich schulterzuckend und bezweifle, dass er überhaupt versteht was ich sage. Mich lässt das dumpfe Gefühl nicht los, die einzige Person auf der ganzen Festwiese zu sein, die noch nüchtern ist. "Seltsam ist nicht gut. Das war es noch nie. Die Leute kommen damit nicht klar und fangen dann an, dich zu hassen", antwortet er und wäre er nicht so schrecklich besoffen, hätte das fast weise klingen können. Ich zucke wieder nur mit den Schultern. "Das ist mir egal. Du kannst mich gerne hasse. Die meisten Menschen tun das. Ich bin es gewöhnt". Wieder nur ein Lachen seinerseits. "Nee, ich glaube ich mag dich", antwortet er. "Und ich glaube, du bist einfach nur furchtbar betrunken".

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